Musik

 

Mit der ersten Gitarre zu Weihnachten 1964 hat alles angefangen und es war damals das tollste Geschenk.

 

Mick Jagger und seine Rolling Stones standen gerade am Anfang ihrer Karriere und aus allen Musikboxen erklang
"it´s all over now" wenn man nach dem Einwurf von 20 Pfennig zum Beispiel die Tasten A und 6 gedrückt hatte. Auch die Beatles waren zu dieser Zeit mit ihrem musikalischen Durchbruch beschäftigt.Sie gingen auf Welttournee, traten in der Ed Sullivan Show auf und machten mit ihrem Schwarz-Weiss Film (Ja so etwas gab es damals noch)

"A hard day´s night" Furore.

Das alles ging an einem neunjährigen Jungen mit Gitarre natürlich nicht spurlos vorüber und beeinflußte mich damals und zugegebener Maßen bis heute ganz erheblich. Dazu kam dann noch der "Glaubenskrieg" zwischen den Stones Fans und den Beatles Anhängern. Ich glaube ich zählte schon damals zu den Letzteren, aber die Stones waren schon immer etwas cooler und lauter. (Keith Richards sah auch damals schon relativ alt aus, spielte aber Gitarre mit "open G Tuning" und stellte damit einen Anfänger wie mich vor ein schier unlösbares Problem. Hatten wir nicht schon genug damit zu tun eine Gitarre normal zu stimmen? Da gab es sogar noch Stimmpfeifen. Heute nimmst du dein Handy, suchst 440 Hz und los.) 

 

Das größte Problem auf dem Weg zum "Rock-Star" allerdings war, dass allein der Besitz einer Gitarre nicht ausreichte um seinen Idolen nachzueifern. Was folgte waren stundenlange, tagelange, wochenlange und monatelange Zeiten des Übens, der Verzweifelung, schmerzender Fingerkuppen, verkrampfter Hände und schlußendlich total entnervte Mitbewohner.
Trotz aller Bemühungen mein Tun zu unterstützen, gab es immer wieder Zeiten der musikalischen Pausen, mal von den Mitbewohnern erzwungen, mal durchaus freiwillig oder einfach weil man "keinen Bock" mehr hatte und einem einfach die "Pfoten" unendlich weh taten und man am liebsten alles hingeschmissen hätte. 


Die Ursache war aber schnell ausgemacht - die erste Gitarre hatte dummerweise Stahlsaiten. Das stellte sich im Nachhinein als sehr fataler Fehler heraus. Aber trotz aller Widrigkeiten gelang es mir nach etwa einem Jahr und mit Hilfe eines sehr netten und hilfsbereitem Menschen (er hieß Shandor, war viel älter als ich und spielte damals schon sehr gut und man traf sich um zu üben) mein Können zu erweitern und mich im Gestrüpp der Akkorde zurecht zu finden.

Nun kam es, wie es kommen musste und es wurde eine "Schülerband" gegründet:

"The Anything" / „The Dwarfs“
(Das klang so toll englisch)

Alle Mitglieder aus einer Schule, alle in einer Klasse und alle wirklich nur "dummes Zeug" im Kopf.


Sologitarre - Willi Mörschbach
Bassgitarre - Lutz Graßmann
Rythmusgitarre - Dieter Beck
Schlagzeug - Wolfgang Lenser


Mit einfachsten Mitteln, wir hatten damals ja kein Geld, jagten wir unseren Träumen nach. Da wurde aus einem altem Akkordeonkoffer schnell mal eine Basedrum und aus einem alten Röhrenradio und einem alten Mikrofon ein Gitarrenverstärker. Vollkommen egal. Hauptsache wir hatten jede Menge Spaß und es war schön laut. Aus dieser Zeit existiert sogar noch eine Casette (Aber ich schaffe es nicht sie wirklich zu hören - und das liegt nicht daran, dass ich sie nicht abspielen könnte aber meine Ohren vertragen es heute nicht mehr so gut. Mittlerweile verstehe ich meine damaligen Mitbewohner.) 

 

Mit der Zeit allerdings wuchsen allerdings unsere Ansprüche, sowohl musikalisch als auch die an unsere Instrumente.
Es wurde gespart, gebettelt und fürchterlich gequengelt und schon bald gab es nicht nur ein richtiges Schlagzeug sondern auch den ersten Fender Stratocaster - Nachbau von Diamond. (Die Original Fender blieb also erstmal ein Traum)

Doch das alles war schon toll, aber der "Kracher" war der erste Gitarren-Verstärker. (ein FBT für alle)

Das ganze wurde dann noch von einem "Proberaum" gekrönt und wir waren "die Könige".

(Ich glaube, wir haben das damals genau so gefühlt).

Leider verloren wir uns dann aber irgendwie immer mehr "aus den Augen" und alle waren mit solch banalen Dingen wie Ausbildung, Lehre und Geld verdienen beschäftigt. Doch irgendwie hängt ja man so einer Zeit und den Erinnerungen schon nach. Lustig ist dann, wenn man heute im Internet durch Zufall ein Bild von Willi Mörschbach findet.
Der spielt immer noch Gitarre, sieht ein bisschen aus wie früher und scheint auch sehr erfolgreich damit zu sein.

 

Früher mußten Jungen auch noch zur Bundeswehr, es gab eine "Wehrpflicht". Man wurde gemustert und verschwand für die nächsten 18 Monate in der "Wildnis". Das war andererseits aber auch eine gute Gelegenheit neue Menschen zu treffen und ich stellte bald fest, dass es auch dort Typen gab, die sich für Musik interessierten. Es dauerte nicht lange und es gab die erste "Kompanie - Band" der FmKp773.

 

Die "Globetrotter"  waren geboren.
(Das klang aber auch so gar nicht englisch)

Orgel/Akkordeon - Jürgen Drucks
Schlagzeug - Claus Neuschäfer
Gitarre - Dieter Beck

 

Natürlich wurde bei der Bundeswehr auch gefeiert. Sicher könnt ihr euch vorstellen wer dann die Musik gemacht hat. Dadurch hatten wir während unserer Dienstzeit auch sicher so manchen Vorteil. Das Problem war allerdings - die Musik.

 

Es war fast ausschließlich "Tanzmusik", also eigentlich genau gar nicht so das, was wir damals alle toll fanden.
Aber der Zweck heiligt ja bekanntlich die Mittel. Und man muß auch Opfer bringen. Auf jeden Fall war Musik machen
1000 mal besser als "Geländedienst".

 

Die erste Band in der wir auch das spielten was uns gefiel, waren dann die "Melody Four".

Wir fanden den Namen damals lustig und das "Kind" musste ja einen Namen haben.

Saxophon/Klarinette/Gesang - Franz-Joseph Hilger
Schlagzeug - Claus Neuschäfer
Keyboards - Jürgen Jakob
Gitarre/Gesang - Dieter Beck


Die Jahre gingen in´s Land und es war eine herrliche Zeit. Aber musikalisch wurde es immer schwieriger.
Immer auf der Suche nach dem perfekten Sound und der Umsetzung unserer Ideen trennten sich dann unsere Wege.

 

Eine neue Besetzung wurde in´s Leben gerufen. Man kannte sich schon länger und beschloss es miteinander zu probieren.
Aus den "Magic Tones"
(Die Idee zu diesem Namen hatten wir und bei den Blues Brother´s ausgeliehen)
wurde die "Midnight - Party - Band" und schließlich die "Tomcats"

Keyboards/Gesang - Martin Wiedmann
Schlagzeug/Gesang - Dirk Buschmann
Gitarre/Gesang - Udo Ern
Gitarre/Gesang - Dieter Beck.

 

Wir können heute auf sehr viele schöne Momente und Erlebnisse zurückblicken und könnten über unsere Erfahrungen aus dieser Zeit bestimmt auch Bücher schreiben (Aber wer würde so etwas kaufen?). Na ja, das ist jetzt ein ganz anderer Part.

 

Denn nur wir sind es, die diese Erinnerungen miteinander verbinden. Und in manch einer Situation erwische ich mich auch heute noch, dass mir beim Nachdenken ein zufriedenes Lächeln über das Gesicht huscht und man wieder an eine von den vielen "Schoten" zurückdenkt.

 

Mittlerweile sind aber soweit ich weiß nur noch Dirk und Udo musikalisch aktiv, verfolgen ihre musikalische Selbstverwiklichung und rocken die Bühnen der Welt.

 

War ne geile Zeit mit Euch - Danke dafür!

 

PS:
So ganz kann die Katze das mausen natürlich nicht lassen und im "stillen Kämmerchen" lässt man den alten musikalischen Geist immer wieder erwachen, holt die "Klampfe" aus dem Koffer, wischt den Staub weg und rockt still vor sich hin.